
Ein internationales, fachübergreifendes Forschungsteam unter Leitung von Abderrazak El Albani vom Institut de chimie des milieux et matériaux de Poitiers (CNRS / Université de Poitiers) hat die bislang ältesten, fossilen Spuren der Mobilität entdeckt. Während frühere Überreste auf ein Alter von 570 Millionen Jahren datiert wurden, sind diese neuen Belege 2,1 Milliarden Jahre alt. Sie wurden in versteinerten Ablagerungen in Gabun entdeckt, wo man bereits die ältesten mehrzelligen Organismen fand. Die Ergebnisse erschienen in der PNAS-Ausgabe vom 11. Februar 2019.
Vor ein paar Jahren entdeckten der Geologe Abderrazak El Albani und sein Team die ältesten existierenden Fossilien von mehrzelligen Organismen in einer Sedimentablagerung in Gabun. Die Fundstätte liegt im Franceville Basin und erlaubte den Wissenschaftlern, das Erscheinen mehrzelligen Lebens auf der Erde auf ein Alter von 2,1 Milliarden Jahren neu zu datieren. Das ist etwa 1,5 Milliarden Jahre früher als bis dato angenommen (600 Millionen Jahre). Die Forscher zeigten, dass diese reiche biologische Vielfalt zeitgleich mit mit einer Dioxygenierung der Atmosphäre auftrat und eine ruhige und seichte marine Umgebung entwickelte.
In derselben geologischen Ablagerung hat das Team nun die Existenz fossiler Fortbewegungsspuren freigelegt. Das zeigt, dass bestimmte mehrzellige Organismen in diesem primitiven marinen Ökosystem fortschrittlich genug waren, um sich durch den Schlamm zu bewegen, der reich an organischem Material war.
Die Spuren wurden analysiert und mittels Röntgenmikrotomografie dreidimensional rekonstruiert, einer nicht-destruktiven Bildgebungstechnik. Die mehr oder weniger sinusförmigen Strukturen sind röhrenartig, besitzen einen Durchmesser von ein paar Millimetern und winden sich durch feine Schichten aus Sedimentgestein. Geometrische und chemische Analysen offenbaren, dass sie biologischen Ursprungs sind und zur selben Zeit wie die Sedimentablagerungen erschienen.
Die Spuren befinden sich nahe versteinerten, mikrobiellen Biofilmen, die Teppiche zwischen den oberflächlichen Sedimentschichten bildeten. Es ist plausibel, dass sich die verursachenden Organismen bei der Suche nach Nahrung und molekularem Sauerstoff fortbewegten, beides produziert von Cyanobakterien.
Wie sahen diese Organismen aus? Obwohl man es nur schwer mit Sicherheit sagen kann, könnten sie ähnlich wie koloniale Amöben ausgesehen haben, die sich zusammenfinden, wenn die Ressourcen knapp werden. Dann bilden sie eine Art Kugel, die sich bei der Suche nach einer günstigeren Umgebung fortbewegt.
Bis jetzt wurden die ältesten Spuren erkannter Fortbewegung auf ein Alter von 570 Millionen Jahren datiert – eine Schätzung, die von der molekularen Uhr scheinbar bestätigt wurde. Belege für Mobilität, die in 2,1 Milliarden Jahre altem Gestein gefunden wurden, werfen neue Fragen zur Geschichte des Lebens auf: War diese biologische Innovation der Auftakt zu perfekteren Formen der Fortbewegung oder ein Experiment, das durch den dramatischen Rückgang des atmosphärischen Sauerstoffs vor rund 2,083 Milliarden Jahren abgebrochen wurde?
(THK)
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